Model im Fokus - Gwendolyn

Veröffentlicht am      Lesezeit: 3 Minuten
Model im Fokus - Gwendolyn

Zehn Jahre später blicke ich auf den Moment zurück, als ich für Scleroderma Framed als Fotomodell vor der Kamera stehen durfte – eingefangen in einem Bild, einfach ich.

Als würde man Modell stehen für ein Leben, das sich langsam verändert, und jeden Tag aufs Neue versuchen, einen Moment festzuhalten, der sich noch ein wenig nach einem selbst anfühlt.

Doch hinter diesem einen Foto hat die Krankheit still weitergewirkt – mit der harten Wahrheit eines Körpers, der immer mehr aufgeben muss.

Das sieht fast niemand.
Die Menschen sehen ein Lächeln, einen Moment, eine Präsenz.
Aber sie sehen nicht, wie man sich manchmal buchstäblich durch einen Tag schleppt.
Sie sehen nicht, dass jeder einzelne Schritt eine innere Verhandlung ist.
Dass die Rechnung erst kommt, wenn die Stille zurückkehrt.

Und trotzdem bin ich dankbar.
Für meine Familie, für eine Liebe, die bleibt. Für Wärme in den kleinen Dingen.
Für Menschen, die nicht alles verstehen und trotzdem bleiben.
Für diejenigen, die mich wirklich sehen.
Gerade wenn sich so vieles verändert, spürt man, was wirklich zählt.

Und dann ist da das Meer – mein Lieblingsort, an dem ich manchmal für einen Moment entkommen kann.
Weit weg von allem, was mein Körper bestimmt.
Kein Kampf. Keine Grenzen. Kein Müssen.
Nur der Wind, das Wasser und die Weite.
Als würden die Wellen für einen Augenblick mitnehmen, was zu schwer geworden ist.
Ein Ort, an dem ich nicht mehr durchhalten muss, sondern einfach sein darf.
Unter der Bewegung der Wellen liegt eine Tiefe, die still ist. Eine Ruhe, die nicht kämpft.

Dann wird mir bewusst, wie lange ich nur in den Wellen gelebt habe.
Immer angespannt. Immer weiter. Immer nur überleben.
Weil ich glaubte, dass Stillstand gleichbedeutend mit Aufgeben sei.

Und doch – irgendwo zwischen dem Weiterschleppen, der Liebe und dem Meer – entdecke ich, dass ich noch da bin.
Nicht mehr so wie früher.
Heute lerne ich, dass Überleben nicht immer bedeutet, voranzugehen. Dass Stärke nicht immer darin liegt, weiterzumachen, sondern manchmal darin, anzuerkennen, wie schwer es ist, und endlich den Mut zu haben, auszuruhen.
Trotzdem bleibt es schwierig, weil mein Kopf noch immer von mehr träumt, während mein Körper mich dazu zwingt, mich mit weniger zufriedenzugeben.

Vielleicht ist das die nackte Wahrheit dieser Krankheit:
Nicht nur das, was sie dir nimmt, sondern dass sie dich dazu zwingt, Abschied von dem Tempo zu nehmen, in dem du dich selbst einmal gekannt hast.
Und vielleicht gibt es auch die schonungslose Wahrheit:
Dass der körperliche Abbau und die Schönheit kleiner Glücksmomente nebeneinander bestehen können – nicht als Trost, sondern als zwei Seiten derselben unausweichlichen Wirklichkeit.
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